Die Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz (EKS) ist der Zusammenschluss der 24 reformierten Kantonalkirchen sowie der Evangelisch-methodistischen Kirche in der Schweiz. Sie repräsentiert rund zwei Millionen Protestantinnen und Protestanten und hat ihren Sitz in Bern. Die EKS wurde 2020 gegründet und ist rechtlich ein zivilrechtlicher Verein. Vorgängerorganisationen waren der Schweizerische Evangelische Kirchenbund (SEK) von 1920, die evangelische Tagsatzung und die 1858 entstandene Schweizerische reformierte Kirchenkonferenz.
Die EKS vertritt die gemeinsamen Interessen ihrer Mitgliedskirchen auf nationaler und internationaler Ebene. Sie ist politische Gesprächspartnerin der Bundesbehörden und äussert sich zu theologischen und ethischen Fragen. Auf religiöser Ebene engagiert sie sich in der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen, der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa, der Konferenz Europäischer Kirchen und im Ökumenischen Rat der Kirchen. Zudem pflegt sie Beziehungen zu Partnerkirchen im In- und Ausland, zur Römisch-katholischen Kirche, zur jüdischen und islamischen Gemeinschaft, zu Hilfswerken und Missionsorganisationen sowie zu fondia.
Die Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz besitzt keine offizielle konfessionelle Lehre, da sie sich als «bekenntnisfrei» versteht. Seit ihrer Gründung hat sie sich kontinuierlich weiterentwickelt, etwa durch die Befürwortung der zivilrechtlichen Trauung gleichgeschlechtlicher Paare im Jahr 2019.
Struktur und Organisation
Die Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz gliedert sich in zwei Hauptorgane:
- Rat: Das Exekutivorgan, bestehend aus sieben Mitgliedern, trifft sich regelmässig zu Sitzungen.
- Synode: Das Parlament der EKS mit rund 80 Delegierten tagt halbjährlich und beschliesst über zentrale Fragen wie Budget, Jahresrechnung und politische Haltungen.
Mit ihrer doppelten Funktion als theologische Instanz und gesellschaftspolitische Akteurin nimmt die Evangelisch-reformierte Kirche eine zentrale Rolle im Schweizer Protestantismus ein.
Religiöse Grundprinzipien und Glaubenspraxis
Die Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz betont eine lebendige Beziehung zu Gott, die auf den zentralen Inhalten des christlichen Glaubens basiert. Im Mittelpunkt stehen Jesus Christus, die Bibel als Heilige Schrift und die persönliche wie gemeinschaftliche Dimension des Glaubens.
Für evangelisch-reformierte Christinnen und Christen bedeutet Glauben, auf Gottes Wort zu hören und sich Jesus Christus rückhaltlos anzuvertrauen. Dieser Glaube entsteht nicht aus eigener Kraft, sondern wird durch Gottes Wirken in den Menschen geweckt. Glaube ist daher nicht nur ein persönliches Bekenntnis, sondern auch ein gemeinschaftliches Unterwegssein mit anderen in der weltweiten Kirche Jesu Christi.
Grundsätze der reformierten Theologie
Die reformierte Kirche versteht sich nicht primär als Institution, sondern als Gemeinschaft der Glaubenden, die das Evangelium verkündigt und lebt. Über ihre äussere Form hinaus existiert Kirche überall dort, wo Menschen in Christi Namen zusammenkommen. Johannes Calvin, einer der massgeblichen Reformatoren, definierte die Kirche als Ort, an dem Gottes Wort lauter verkündet und die Sakramente nach Christi Einsetzung verwaltet werden. Das Gebet spielt eine zentrale Rolle im Glaubensleben. Es ist die Kommunikation mit dem lebendigen Gott, in der Dank, Bitte, Klage und Lob Ausdruck finden. Die Psalmen dienen dabei als Schule des Gebets, in der menschliche Erfahrungen wie Freude, Angst oder Hoffnung vor Gott gebracht werden. Beten heisst, sich Gott anzuvertrauen – in persönlichen Momenten oder in der Gemeinschaft der Glaubenden. Es ist weniger eine perfekt formulierte Rede als vielmehr eine Haltung des Glaubens, die Gott Raum gibt.